Kapitel 5

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Kapitel 5

Beitrag  Eternety am Fr Jun 19, 2009 11:55 pm

Kapitel 5

Am nächsten Abend wurde ich durch ein leises Klopfen geweckt.
Sofort stand ich auf und lief zur Tür.
Verschlafen öffnete ich sie und sah Vishous davor stehen.
„Gute Nacht, kleine Blume. Komm bitte in mein Arbeitszimmer. Wir müssen etwas besprechen.“, sagte er ernst und ging dann.
Ich schaute ihm verwundert hinterher, warf mir schnell etwas anderes über und folgte ihm dann.
Dort, wo wir am Tag zuvor alleine gesessen hatten, saßen jetzt alle Mitglieder unseres Clans.
„Hallo Küken. Auch mal wach?“, begrüßte mich Roselia sofort und machte mir wieder zu deutlich klar, dass sie mich in diesem Clan nur duldete.
„Roselia!“, sagte Vishous laut und sie verstummte. „Gut, da wir jetzt vollständig sind, können wir alles besprechen. Ich habe mir von meinen Informanten Bericht erstatten lassen.
Es sind tatsächlich Jäger in der Stadt, aber sie sind wohl nicht hinter uns her, sondern hinter einer Horde Dämonen, die im Kanalsystem ihr Unwesen treiben.
Trotzdem sollten wir vorsichtig sein.
Keiner geht im Moment alleine auf die Jagd. Außerdem suchen wir die Opfer sehr genau aus. Wenn ihr nicht genug findet, dann müsst ihr Tiere nehmen, im Moment ist alles andere zu gefährlich.
Iris ist letzte Nacht schon angegriffen worden. Ich will keinen von euch an sie verlieren, weil ihr unvorsichtig seid! Diese Regelung gilt solange, bis sich die Situation verändert. Ihr könnt jetzt gehen.“, sagte er und der Rest verschwand sofort wieder mit leisen Abschiedsworten an Vishous und mich.
Nur ich blieb noch im Raum.
„Vishous? Du hast mir gestern gar nicht erzählt, was es mit den Jägern auf sich hatte…“, fragte ich leise.
Er lächelte mich an und deutete auf den Sessel neben sich.
„Wenn du es unbedingt wissen willst, erzähle ich es dir, aber möchtest du vorher nicht jagen gehen? Gestern hast du ja nichts bekommen.“, wollte er wissen, doch ich schüttelte den Kopf und setzte mich neben ihn.
„Ich werde später jagen. Mein Hunger ist noch nicht so schlimm…“, antwortete ich und er sah mich streng an.
„Gut, aber achte darauf, dass du nicht in Blutrausch verfällt, weil du zu lange nichts getrunken hast.
In der momentanen Situation wäre das sehr gefährlich.“, mahnte er mich, bevor er wieder begann zu erzählen.
Das Feuer knisterte leise im Kamin, während ich seiner Stimme lauschte.
„Wo war ich… Ich war durch Dracula abgelenkt. Dieser Mythos hat uns viel Schaden zugefügt und die wenigsten Vampire mögen es, über ihn zu sprechen.“
„Welchen Schaden denn?“, fragte ich, doch er lächelte nur.
„Denk darüber nach, über was es in diesem Buch geht.“
„Einen Vampir, der junge Frauen beißt und einen Vampirjäger, der ihm den Gar ausmachen möchte?“, sagte ich fragend und er nickte.
„Ja und so ganz nebenbei werden alle Möglichkeiten erzählt, wie man uns töten kann, kleine Blume. Vorher wussten das nur ganz wenige. Inzwischen jeder. Pflöcke, Feuer, Knoblauch, Silber.“, erklärte er mir und ich nickte.
„Aber wir wollen nicht wieder abschweifen. Nach dem Krieg um Transsilvanien lebte meine Familie wieder friedlich in diesem Dorf, doch leider kamen Menschen aus dem Westen.
Eine Religion hatte sich vorgenommen, alles übernatürliche zu vernichten und dazu zählten auch wir.
Es gab eine regelrechte Schlacht, während der viele unschuldige Dorfbewohner getötet wurden.
Sie hatten versucht, uns zu verteidigen, denn schließlich waren wir die Söhne und Enkel ihres Gutsherren.
Diese Barbaren, die sich selber Christen nannten, sagten, sie seien von Teufel besessen und töteten sie, um ihre Seele zu retten, wie sie sagten.
Die Dorfbewohner und alle Mitglieder meiner Familie töteten sie, damit wir unsere Ruhe zurückbekamen.
Das waren die ersten Jäger.
Bibelfeste Tyrannen nannten wir sie, denn mehr waren sie nicht.
Sie zitierten Jesus, während sie ein unschuldiges Kind auf dem Scheiterhaufen verbrannten, weil sie rote Haare hatte.
Irgendwann beschloss ich zu gehen und den Menschen dort so zu helfen, denn alles andere nütze gar nichts.
Wenn wir einen töteten, kamen fünf nach. Egal was wir taten, wir konnten die Menschen nicht schützen.“
„Das ist… Hat es etwas genutzt?“, fragte ich leise nach, doch er schüttelte den Kopf.
„Nein. Ich erfuhr von meinem Vater, der dort geblieben war, dass sie das Dorf dem Erdboden gleich gemacht haben.
Das war der letzte Brief von ihm. Sie haben ihn wahrscheinlich auch gefangen und genauso vernichtet, wie den Rest meiner Familie.
Und das alles nur, weil wir nicht waren wie sie…“

Ich schaute unseren Clanführer an. Diesen starken Vampir, den nichts zu erschüttern schien.
Jetzt saß er gedankenverloren in seinem Sessel und schaute mich stumm an.
Ich sah das Leid in seinen Augen, die Trauer und die Wut.
Das Bild weckte Mitleid tief in mir und gleichzeitig schien ihm die Wut eine Aura der Gefahr zu geben.
Eine Aura, die auf mich sehr anziehend wirkte, die aber jeden normalen Menschen sofort verscheucht hätte.
Ich dachte nicht mehr wie Menschen, denn ich war ja schließlich schon lange keiner mehr.
Vampire sind Dämonen und wir denken und handeln normalerweise anders, doch in mir kam der Mensch wieder durch, als ich ihn dort so sitzen sah.
Ich stand auf und kniete mich neben seinen Sessel.
Auge in Auge saßen wir dort, als er leise zu mir sagte.
„Kleine Blume. Ich hoffe, dir bleibt so etwas erspart…“
„Sie werden uns nichts tun.“, antwortete ich und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, bevor ich aufstand.
„Wir sind stark genug. Der Clan ist stark. Lange kenne ich euch nicht, aber ich weiß, dass ihr mächtig seid.
Ich werde uns etwas zu essen holen. Hund oder Katze?“, fragte ich und er lächelte.
„Du nimmst dir meinen Rat wirklich zu Herzen. Hund. Katze hat einen komischen Nachgeschmack.“, meinte er.
„Warte hier. Ich bin gleich wieder da.“, sagte ich und schon war ich verschwunden.
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