Kapitel 7

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Kapitel 7

Beitrag  Eternety am Fr Jun 19, 2009 11:57 pm

Kapitel 7

In den nächsten Wochen trafen wir uns immer wieder, um miteinander zu sprechen.
Auch andere Clanmitglieder gesellten sich immer wieder zu uns und so erfuhr ich auch einiges über die Anderen.
Flora, vor mir die Jüngste im Clan, war von Roselia vor einhundert Jahren verwandelt worden. Seit dem war sie das einzige Geschöpf, für das Roselia so etwas wie Liebe empfand.
Wer Flora angriff, griff sie an und Flora hatte mir einmal erzählt, dass es ihr manchmal unheimlich sei, was Roselia alles mitbekam.
Roselia selbst war wohl die herzloseste Person, die ich je kennen gelernt hatte.
Eiskalt und berechenbar, doch als Jägerin sehr geschickt.
Selbst, wenn keiner von uns das Glück hatte, ein Opfer zu finden, brachte sie etwas nach Hause.
Ich hatte sie schon öfter beobachtet.
Sie benutzte eine ganz simple Methode, die aber für sie fast logisch war: sie spielte das hilflose, wunderschöne Mädchen in einer Gasse.
Ihre schwarzen Haare schienen wie Seide auf ihre Schultern zu fallen und ihre Augen flammten grün auf, wenn sie verärgert war, was leider zu oft vorkam.
Wenn sie aber jagte, konnte sie ihren Blick einfach ändern, als würde sie einen Schalter umlegen.
Im einen Augenblick waren sie hart und kalt, im nächsten weich und hilflos.
Besonders Männer fielen auf den Trick rein und so gab es im Zweifelsfall wenigstens ihre Reste zu trinken.

Dann war da Rham, der stärkste der Gruppe und auch der wahrscheinlich netteste, wie ich fand.
Er war schon gute dreihundert Jahre alt, doch das Alter merkte man ihm nicht wirklich an.
Für einen alten Vampir benahm er sich zu oft wie ein kleines Kind und scherzte mit uns, wenn er sich nicht um die Sicherheit der Clubbesucher kümmerte.
Dann wurde er ernst und verstand keinen Spaß.
Schon so mancher Mensch war aus dem Club geflogen und das manchmal wortwörtlich.
Selbst für einen Vampir hatte er unglaubliche Kräfte, die er mir an einem meiner ersten Tage bewies, indem er mich einfach packte und auf einem Arm durch die Gegend trug, bis wir zur Jagd aufbrachen.

Und Schlussendlich Corondal. Ein Killer, wie es wohl keinen zweiten gab.
Schon seine gesamte Erscheinung ließ darauf schließen, dass man ihn nicht unterschätzen sollte und auf der Jagd bewies er immer wieder, dass das tatsächlich so war.
Schnell, präzise, tödlich, schweigsam.
Er war nicht so stark wie Rham, doch was ihm an Kraft fehlte, macht er durch Schnelligkeit und Erfahrung wieder wet.
Sein Rabe Engol saß fast immer auf seiner Schulter, wenn er nicht zu mir geflogen kam.
Als Engol das zum ersten Mal gemacht hatte, hatte mich Corondal noch gewarnt, denn Engol war nicht zu unterschätzen.
Sein spitzer Schnabel und die scharfen Krallen können Schmerzen zufügen, die man sich nicht vorstellen möchte.
Doch mir tat er nichts.
Alle anderen beäugte er mit Argwohn, mich schien er zu mögen, was auch daran liegen könnte, dass ich fast immer etwas zu fressen für das Tier mitbrachte.
Außerdem hatte auch ich eine Fähigkeit ausgebildet. Genau wie Corondal vertrauten mir Tiere blind und dazu gehörte auch der Rabe Engol.
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Re: Kapitel 7

Beitrag  Eternety am Fr Jun 19, 2009 11:58 pm

Ich selber hatte mir inzwischen auch einen neuen Namen gegeben.
Mein alter Name passte einfach nciht mehr zu mir und störte mcih von Tag zu Tag mehr. Deshalb hatte ich mir gedanken gemacht und weil mich Vishous immer kleine Blume nannte, hatte ich mich Helia genannt, die Sonnenblume.
Roselia hatte ziemlich geknurrt, weil sich eine Vampirin schließlich nicht Sonne nennen konnte, doch Lehti fand ihn super und auf ihre Meinung zählte ich mehr.
Lehti und ich waren gute Freunde geworden.
Sie war nett, aufgedreht und ein kleiner Wirbelwind. Sie sagte oft, dass sie sich Lehti genannt hatte, weil sie wie ein Blatt im Wind war. Ein Blatt im Sturmwind.
Manchmal konnte ich ihr da nur Recht geben, denn sie war wirklich ein Blatt im Sturmwind, wenn sie durch die Zimmer wirbelte oder zur Musik tanzte, die aus ihrem Zimmer zu uns drang.
Im Kampf hatte ich manchmal Angst um sie, denn im Gegensatz zu uns anderen, und da rechnete ich mich inzwischen dazu, war sie etwas ungeschickt.
Sie sagte von sich selber, dass die Jagd nichts für sie wäre und ich gab ihr da recht. Deshalb brachten wir ihr öfter etwas mit, weil wir alle nicht wollten, dass ihr etwas passierte.

Sie waren zu meiner neuen Familie geworden, obwohl ich am Anfang nicht geglaubt hatte, dass das so kommen würde.
Selbst Roselia und Corondal wurden mit der Zeit etwas freundlicher, was in ihrem Fall nicht viel hieß.
Roselia war nun einmal kein netter Vampir und Corondal sprach so gut wie nie.

So saßen wir oft Abends vor dem warmen Kaminfeuer und erzählten Dinge.
Am schönsten konnte, unglaublich, aber wahr, Corondal erzählen.
Er hatte schon sehr viel erlebt, seit er zum Vampir geworden war und auch schon als Mensch war er kein Unschuldslamm gewesen.
So erzählte er einmal von einem Mann, den er getötet hatte, weil er einen seiner Raben angegriffen hatte.
Seine Raben waren sein ein und alles, doch nur Engol war immer bei ihm, die Anderen lebten wild in der Umgebung, doch einmal hatte ich es schon erlebt, dass er sie gerufen hatte.
Zwischen Engol und Corondal bestand eine besondere Verbindung, die Corondal auch dazu nutze, die anderen Raben zu kontrollieren, indem er Engol die Befehle gab und dieser sie an seine Artgenossen weiter zu tragen schien.
Engol konnte mit ihm kommunizieren, allerdings nicht im Sinne von sprechen.
Corondal schien immer zu wissen, was sein Rabe dachte und gesehen hatte und so half er uns öfter auf der Jagd, auf die wir allerdings nur ganz selten gingen.
Seit die Jäger in der Stadt waren, konnten wir es uns kaum noch leisten, jagen zu gehen.
Die ersten Tage war das alles kein Problem, doch nach fast vier Wochen als eine Art „Vegetarier“, waren wir alle an unserer Grenze angekommen.
Es gab nur Tiere und der Hunger zerrte an uns.
Vampire können von Tierblut leben, aber es reicht uns nicht auf Dauer und das spürten wir alle zu deutlich.
Menschenblut ist etwas anderes und so mussten wir Nacht für Nacht mehr Tiere töten, um unsere Gier zu befriedigen und bald war die Stadt fast vollständig von streunenden Hunden befreit.
Selbst Vishous, ein Meister der Selbstdisziplin, konnte irgendwann nicht mehr.
Seit einem Monat waren die Jäger in der Stadt und wir waren am Limit.
„Wir dürfen keine Menschen jagen, solange die Jäger hier sind. Das ist viel zu gefährlich!“, hatte Vishous am Anfang noch gesagt, doch inzwischen war er anderer Meinung.
Er hatte uns erlaubt, wieder zu jagen und sich sogar uns angeschlossen, was er sonst nie machte.
Sonst jagte er immer alleine, doch in diesem Fall war er der Meinung, das es besser wäre, wenn wir als Gruppe auf Jagd gehen würden.
Wir hatten nichts dagegen, unseren Meister bei uns zu haben, allerdings stellte er eine Bedingung: Engol musste vorfliegen und die Lage erkunden.
Erst, wenn der Rabe uns zeigte, dass keine Gefahr drohte, würden wir losschlagen.
Corondal hatte dazu nur genickt, dem Raben über die Federn gestrichen und seinen Liebling losgeschickt.
Engol hatte laut gekrächzt und sich dann in die Luft erhoben, um zu schauen, ob unsere Jagd sicher war.
Nach wenigen Minuten kam er zurück, kreiste einmal über uns und forderte uns so auf, ihm zu folgen.
Er brachte uns in eine kleine Gasse, in der eine Gruppe Obdachloser um ein Feuer standen, um sich gegen die unbarmherzige Kälte des Winters zu wärmen.
Doch das Feuer würde sie gegen uns nicht schützen.
Feuer verbrennt uns zwar, doch wir wussten, dass keiner von ihnen auf die Idee kommen würde, das brennende Holz als Waffe einzusetzen.
Der Rabe landete krächzend auf Corondals Arm und bekam eine Belohnung von seinem Herrn.
Ich hörte Lehti leise neben mir knurren und legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter.
Sie war nicht nur ungeschickt in der Jagd, sondern leider auch ungeduldig, was ihren Jagderfolg nicht unbedingt verbesserte.
„Bleib ruhig, Lehti.“, sagte ich leise. „Wenn du überreagierst, hilft das keinem von uns.“
„Ich weiß, Helia, aber ich habe Hunger! Seit Wochen nur Köter…“, murrte sie zähneknirschend.
„Lehti, das weiß ich. Gleich gibt es was richtiges.“, versuchte ich sie weiter zu beruhigen, doch es wirkte nicht richtig.
Sie war einfach viel zu aufgebracht und hungrig.
„Ihr zwei seid bitte ruhig!“, flüsterte Vishous uns zu. „Sie sollen uns nicht hören, bevor wir vor ihnen stehen. Ich gebe das Zeichen, dann schlagen wir los. Macht alles so schnell ihr könnt und versucht, keinen zu schonen!
Wenn es geht, keine Spuren. Die Jäger sollen nicht auf uns aufmerksam werden. Helia, pass ein bisschen auf Lehti auf.“, sagte er mit einem Blick zu mir und ich nickte.
Auch der Rest nickte und schon gab er ein Handzeichen, dass wir losschlagen sollten.
Alle schlugen gleichzeitig los.
Sofort hatten wir die Menschen eingekreist und die ersten in die Kehlen gebissen.
Das warme Blut eines Mannes schoss mir in den Mund und ich saugte Gierig jeden Tropfen des roten Goldes ein, bis der Strom versiegte.
Danach ließ ich den Körper neben den anderen Leichen liegen und machte mich daran, den nächsten Menschen auszusaugen.
Wir waren ausgehungert und machten uns wie Raubtiere über unsere Beute her.
Es war egal, dass das Menschen waren, die wir aussaugten, Hauptsache, wir konnten unseren Durst endlich stillen.
Lehti blieb immer dicht neben mir und als ein Mann versuchte, sie mit einem brennenden Holzstück zu vertreiben, dass er sich entgegen meiner Vermutung geholt hatte, gelang es mir gerade noch, sie aus dem Weg zu stoßen, bevor das Holz sie traf.
Leider hatte ich das Pech, das mich das Holz erwischte und mir die Haut am Arm verbrannte.
Ich fauchte laut und wollte den Menschen zur Strecke bringen, als ich sah, dass Vishous das schon getan hatte.
Seine Augen funkelten den Mann an, bevor er wieder daran ging, seinen Hunger zu stillen.
Innerhalb weniger Minuten war die Gruppe ausgelöscht und Vishous schickte einige von uns heim.
„Wir kümmern uns um die Rest. Geht ihr wieder.“, sagte er zu Lehti, Flora, Roselia und mir und schon war er verschwunden.
Mit ihm waren es auch einige Leichen weniger.
Lehti sah mich an und ich nickte nur, bevor ich mit ihr zusammen zurück zum Club ging, der sich schon langsam leerte.
Wir wollten das Gebäude gerade betreten, als ich einen Schatten in der kleinen Gasse daneben wahrnahm.
Ich schaute noch einmal dorthin, doch schon nach einem Augenaufschlag, war der Schatten wieder verschwunden.
Ich zuckte mit den Schultern.
Wahrscheinlich war dort nur eine Katze oder einer der letzten Streuner der Stadt.
Kaum waren wir oben angekommen, gingen Roselia und Flora in ihre Zimmer.
Lehti hatte beschlossen, noch etwas fern zu sehen.
Ich wusste nicht so recht, was ich tun sollte und so beschloss ich, dass ich mich dem Rest anschließen sollte, sobald Vishous wieder hier war.
Seit ich im Haus des Clans wohne, schlafe ich keine Nacht gut, wenn ich nicht weiß, dass der Meister da ist, um uns zu beschützen.
Deshalb setzte ich mich in den Sessel vor seinem Kamin, in dem kein Feuer brannte, und wartete auf ihn.
Das war nicht verboten, solange wir nicht an seine Unterlagen gingen.
Ich hatte schon öfter dort gesessen und mich mit Lehti unterhalten, wenn wir unsere Ruhe haben wollten und Vishous auf Jagd war.
Die Wunde an meinem Arm brannte höllisch, doch ich tat nichts, um das zu ändern.
Morgen würde sie verheilt sein, dass wusste ich, denn wie wahrscheinlich war es schon, dass die Obdachlosen heilige Gegenstände verbrannt hatten.

Nach zwei Stunden kam Vishous völlig erschöpft in sein Arbeitszimmer und ließ sich hinter den Schreibtisch fallen, bevor er mich überhaupt wahrnahm.
„Kleine Blume, was machst du hier? Du solltest schlafen.“, sagte er freundlich zu mir und stand auf.
Ich lächelte und sah ihn an.
„Ich konnte nicht schlafen…“, antwortete ich leise und kuschelte mich in seinen Sessel, der sehr bequem war.
„Solltest du aber.“, tadelte er mich und reichte mir seine Hand, die ich sofort ergriff.
Er zog mich hoch, doch anscheinend war er zu erschöpft, um seine Kraft noch richtig einteilen zu können.
Statt mich nur hoch zu ziehen, musste er mich auffangen und so lag ich in seinen Armen.
Ich spürte, wie er mir Sacht mit einer Hand über die Wange strich, bevor er mich wieder losließ.
„Geh schlafen, kleine Blume.“, sagte er und ging.
„Vishous? Was ist denn los?“, fragte ich ihn, doch ich bekam keine Antwort.
Stattdessen erntete ich Schweigen.
„Geh ins Bett, Helia. Deine Wunde heilt besser, wenn du geschlafen hast. Gute Nacht.“, waren seine letzten Worte, bevor er in sein Zimmer ging und mich alleine ließ.
Widerwillig ging ich ins Bett.
Ich wusste, dass etwas mit Vishous nicht stimmte, doch was, das musste ich noch herausfinden.
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