Epilog

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Epilog

Beitrag  Eternety am Sa Jun 20, 2009 1:56 am

Epilog

Ich wurde wieder Wach, als mich Flora weckte.
Sie hatte mir einen jungen Mann mitgebracht, denn ich sofort gierig aussaugte.
Vishous und Lehti hatten es sich inzwischen auf meinem Sofa bequem gemacht und schliefen ebenfalls etwas, bis sie von den leisen Schreien meines Opfers geweckt wurden.
„Entschuldigt…“, sagte ich leise, als ich auch den letzten Tropfen ausgesaugt hatte und ließ ihn Fallen.
„Schon gut, Helia. Bist du stark genug, um aufzustehen?“, fragte mich Vishous und ich nickte.
„Ich denke es. Einen Versuch ist es wert…“
Vishous reichte mir die Hand, doch so richtig aufrichten konnte ich mich nicht.
Deshalb nahm er mich hoch und stellte mich auf meine Füße.
Engol flog sofort auf meine Schulter.
„Da solltest du doch eigentlich bei deinem Herrn sitzen, Engol. Der ist bestimmt schon sauer, dass du wieder bei mir bist.“, meinte ich und strich ihm über die Brustfedern.
„Nein, ist er nicht. Er tut so, aber er ist ganz froh, alleine mit Rose zu sein.“, sagte Flora.
„Gut zu wissen…“, meinte ich und stütze mich auf Vishous und Lehti ab. Zusammen liefen wir in das Arbeitszimmer unseres Meisters, wo wir es uns vor dem Kamin gemütlich machten.
Rham wartete dort schon und setzte sich als Erster auf den Boden.
Vishous setzte sich auf den Boden und ich konnte mich zum ersten Mal ohne Angst in seine Arme kuscheln.
„Ich wusste es!“, sagte Lehti triumphierend. „Schon am ersten Tag hab ich es dir angesehen, Helia und dir auch Vishous.“
„Du wusstest es also, bevor wir es wussten?“, fragte ich sie und sie nickte.
„Klar. In dem Moment, in dem du zur Tür rein gekommen bist, weil er dich an Rham vorbeigeschleust hat. Das hat er vorher nie gemacht.“
„Wirklich nie?“, wollte ich von ihm wissen und er lächelte.
„Ja, nie. Du hast so gar nicht zu uns gepasst, deshalb habe ich auch verstanden, dass Rham dich nicht rein lassen wollte, doch als ich dich gesehen habe, wusste ich, dass das nur äußerlich so war.“
„Seine Art zu sagen, dass er sich in dich verliebt hatte.“
„Vampirliebe. Selten, aber nicht unmöglich… Sagt mal, wo sind eigentlich Corondal und Roselia?”, fragte Rham.
„Na wo wohl…“, meinte Flora und lehnte sich an einen der Sessel. „Es gibt nur zwei Orte, wo sie sein könnten.“
„Jagen oder Wohnzimmer?“, fragte ich, doch dafür erntete ich nur lachen.
„Seines oder ihr Bett.“, antwortete Lehti kichernd.
„Sehr witzig, Lehti!“, fauchte Roselia, die in der Tür stand und auf uns hinab sah.
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als Roselia, Lehti und Flora begannen zu streiten.
Mir war das längst Recht, so konnte ich mich an Vishous kuscheln und etwas mit ihm reden, bevor mich Krankenschwester Rham wieder in mein Bett verfrachtete.
„Warum hast du dich mit dem Rat angelegt?“, fragte ich ihn leise. „Wird das nicht Konsequenzen haben?“
„Ja, wird es ganz sicher. Vielleicht werde ich als euer Clanführer abgesetzt oder ich muss gehen, aber selbst wenn, ist es mir egal, meine kleine Blume…“, hauchte er und gab mir einen sanften Kuss. „Ich hatte dieses Versteckspiel satt und eigentlich haben sie es ganz gut aufgenommen. Vielleicht haben sie es ja eingesehen und lassen uns jetzt einfach in Ruhe.“
„Ich hoffe es, Vishous und danke…“
„Wofür?“, fragte er und schaute mich perplex an.
„Das du mir diese Welt gezeigt hast…“, hauchte ich und küsste ihn.
Erst ganz zaghaft, doch dann so leidenschaftlich, wie es meine Verletzungen zuließen.
Alles war mir in diesem Moment egal.
Er war an meiner Seite und er hatte alles riskiert, damit alles so bleiben konnte, wie es im Moment war.
Seit er mich verwandelt hatte, hatte ich mich nicht mehr so glücklich gefühlt…

Bald würden große Veränderungen auf uns zukommen und das wussten wir in dieser Nacht schon.
Wir würden gehen und ganz neu anfangen, doch ich freute mich nur darauf, dass mit ihnen allen tun zu können.
Ich war hierher gekommen, weil ich das Haus am See verlassen wollte.
Weil ich eine neue Welt sehen wollte, die mir sonst verschlossen blieb, doch was ich gefunden habe, waren mehr als Freunde.
Statt nur einen Ausflug in eine neue Welt zu machen, habe ich eine neue Familie bekommen.
Eine Familie mit der ich immer noch zusammenlebe.

Dieser Abend und alles, was geschehen ist, ist viele, viele Jahre her.
Wir haben kurz nach dieser Nacht neu angefangen.
Vishous hat den Club verkauft und ich war zu seiner offiziellen Gefährtin geworden, allerdings ohne die Konsequenzen tragen zu müssen, die das eigentlich gehabt hätte.
Er hatte sich vom Ältestenrat und seinen Gesetzen losgesagt und damit hatte sich das alles erledigt.
Außerdem hatte er den Clan aufgelöst. Wir lebten nun einfach ungebunden zusammen, doch keiner wäre auf die Idee gekommen zu gehen.
Zusammen führten wir unsere Familie zu einem kleinen See, weit weg von dem, an dem ich geboren worden war.
Vishous hatte ihn entdeckt und dabei sofort an mich gedacht.
„Eine Blume gehört auf eine Wiese.“, hatte er mir einmal gesagt und auf einer solchen Wiese stand ich nun wieder.
Dort bauten wir uns wieder eine Existenz auf.
Wir brauchten zwar nicht viel, denn schließlich fangen wir unser Essen ja auf der Straße, doch auch wir haben Rechnungen, die wir begleichen müssen.
Die beglichen wir, indem wir aus dem Geld, dass Vishous für den alten Club bekommen hate, wieder einen Club aufbauten.
Das nächste Dorf war einige Kilometer entfernt und so konnten wir nicht nur das Gebäude, sondern auch die Umgebung nutzen.
Im Sommer schütteten wir einen Strand am Rand des Sees auf, auf dem sich die Besucher amüsieren konnten, im Winter, wenn es kalt genug war, konnte man Eislaufen.
Vishous wusste, worauf es ankam und so wunderte es auch keinen von uns, dass das ganz sehr gut lief.
Bald schon bekam unsere Familie zuwachs.
Rham und Lehti fanden Menschen, die sie verwandelten und die sich dazu entschlossen, wie ich damals, bei uns zu bleiben.

Bis heute leben wir an diesem See und wenn der Club geschlossen hat und der Vollmond scheint, tanzen Vishous und ich oft an dem kleinen Strand, den wir für die Gäste angelegt haben.
Für uns ist es egal ob Winter oder Sommer, kalt oder warm.
Wir tanzen einfach, während unsere Haut aussieht, als wären wir Engel.
Engel, die nicht atmen und sich um nichts kümmern, was Menschen ihnen sagen.
Denn genau wie Engel sind wir vor allem eines: Schon lange tot

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I wanted to breathe, but I can't
Say hello to me my best friend
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