Kapitel 3: Time and time again you fade away...

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Kapitel 3: Time and time again you fade away...

Beitrag  Eternety am Sa Jun 20, 2009 2:19 am

Kapitel 3: Time and Time again you fade away…

Time and time again you fade away
And I wonder how you
Still manage to beat the hell out of me

Ich bin nun schon einige Wochen hier in der Stadt und bis jetzt fühle ich mich eigentlich noch unbeobachtet.
Ich habe inzwischen einen guten Instinkt dafür, wann man mir nachstellt, doch im Moment ist davon nichts zu spüren.
Langsam laufe ich durch die Straßen der Stadt, als mir jemand auffällt.
Dort steht ein Mann, der mir irgendwie bekannt vorkommt und das lässt bei mir sofort alle Alarmglocken schrillen.
Er steht mit dem Rücken zu mir und so habe ich die Gelegenheit, schnell die Flucht zu ergreifen, wie so oft, aber es ist das Beste.
Hier sind viele Menschen, zwischen denen ich ungesehen verschwinden kann.
Wenn er mich entdeckt, sind das viele Menschen, die in Gefahr sind.
So schnell ich kann, ohne das es auffällt, laufe ich in eine der Seitengassen.
Dort bleibe ich kurz stehen und überlege, was ich tun kann.
Ich könnte über die Dächer fliehen, aber erstens ist das auffällig, zweitens unheimlich schwer und drittens bin ich da oben völlig ungeschützt.
Ich bin kein Vampir, der einfach mal nach da oben springt.
Ich muss dafür eine der Außenleitern benutzen und kann dann vielleicht, und auch nur, wenn ich sehr viel Glück habe, von einem auf das andere Dach springen.
Dazu dürfen die Abstände aber nicht zu groß sein…
Also zu viel Risiko, der Plan fällt flach.
Ich muss also wieder über die offene Fläche, wenn ich zurück in meine Wohnung will.
Genau das wollte ich aber eigentlich vermeiden, denn wenn der Kerl einer von ihnen ist, dann kann ich mir sicher sein, werde ich wieder weglaufen müssen, sobald er mich sieht.
So muss ich das zwar auch, aber ich habe die Chance, noch etwas zu schlafen und meine Sachen zu packen, bevor ich verschwinde und kann außerdem die Dunkelheit der Nacht nutzen.
Ich schaue also um die Ecke, doch schon sehe ich, wie mich zwei grüne Augen mustern.
Er hat mich also gesehen und so, wie er mich anschaut, weiß ich auch, dass er nach mir gesucht hat.
Ich habe nun keine Wahl mehr: ich muss rennen und zwar möglichst so, dass ich ihn abhänge.
Ich habe in den letzten Wochen die Stadt sehr gut kennen gelernt.
Das hat man mir so beigebracht und das werde ich auch so beibehalten.
Ich taxiere zuerst meine Umgebung, bevor ich mehr mache.
Schnell gehe ich auf den offenen Platz und von dort in Richtung Stadtpark.
Ich weiß, dass es dort einige Ecken gibt, die so undurchsichtig sind, dass mir dort die Flucht gelingen kann.
Vor allem darf nicht auffallen, wie gehetzt ich laufe.
Ich trage eine Tasche, also können sich die Leute denken, dass ich eine Studentin bin, die ihren Bus gerade verpasst oder eine Frau auf dem Weg zur Arbeit.
Vielleicht kann ich ihn damit auch täuschen, aber ich weiß ganz genau, dass das nur Wunschdenken ist.
Er wird mich verfolgen, bis ich ihn abgehängt habe und das wird nicht einfach, dass merke ich sofort.
Ich renne schon fast, doch er hält noch immer ohne Probleme schritt.
Ich bin kleiner und zierlicher als er, dass wird mir irgendwann noch zu gute kommen, doch im Moment ist das eher von Nachteil.
Er macht einfach größere Schritte. Für jeden seiner Schritte muss ich zwei machen und so holt er immer weiter auf.
Zu meinem Glück aber nicht vor dem Park.
Ich biege ein und renne los.
Hier ist es nichts ungewöhnliches das jemand rennt, denn schließlich joggen hier auch einige, so wie ich fast jeden Tag.
Das ich um mein Leben renne wird also gar nicht auffallen…
Schnell erreiche ich eines der Gebüsche, von denen ich hoffe, dass sie mir genug Deckung geben, doch zu schnell merke ich, dass das nicht gehen wird.
Der Boden ist weich, denn es hat letzte Nacht geregnet.
Meine Fußabdrücke sind deutlich zu sehen und fliegen, damit sie einfach verschwinden, kann ich nicht.
Ich weiß langsam keinen Ausweg mehr und renne einfach weiter.
Ich weiß, er ist hinter mir, doch ich weiß auch, dass mir meine Ortskenntnis zu Hilfe kommt.
Dadurch bin ich einfach schneller, denn ich muss den Weg nicht suchen.
Nach einigen hundert Metern merke ich, dass mir langsam die Luft ausgeht.
Wenn ich nicht bald eine Lösung finde, dann werde ich ihm in die Hände fallen, ob ich will oder nicht.
Deshalb werfe ich meinen Plan kurzerhand über den Haufen und gehe aus dem Gebüsch heraus.
Ich mache mich wieder auf den Weg zu einer vielbefahrenen Straße und halte dort ein Taxi an, in das ich schnell reinspringe, mich ducke und dem Fahrer die Adresse sage, zu der er mich bringen soll.
In meiner Wohnung angekommen, dusche ich schnell, tausche meine klatschnassen Sachen gegen trockene, schnappe mir meine Sachen, schreibe schnell die Kündigung der Wohnung und gehe dann.
Schlüssel, Kündigung und Miete werfe ich in den Briefkasten meiner Vermieterin.
Dann gehe ich nach draußen und beginne wieder zu laufen.
Das nächste Taxi ist wieder meins und ich lasse mich zum nächsten Bahnhof bringen.
Es wird wieder Zeit für mich zu gehen.
Schade… Ich fand es schön hier, aber mir ist es nicht vergönnt, lange zu bleiben.
Im Rückspiegel des Taxifahrers sehe ich einen Mann, der in das Haus geht, in dem ich bis vorhin noch war.
Es ist mein Verfolger und wieder habe ich das Gefühl, ihn irgendwoher zu kennen.
Ich weiß nur nicht, woher…
Es ist auch egal…
Wichtig ist vor allem, dass es knapp war.
Zu knapp.
Ich fürchte, ich war mal wieder zu sorglos mit der Wahl meiner Wohnung.
Das nächste Mal muss ich es besser machen, denn ich weiß nicht, wie lange ich die um mich herum schützen kann, wenn ich zu sorglos bin.
Im Moment hoffe ich nur, dass er vor der verschlossenen Tür steht und dann einfach wieder geht…
Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn einem anderen Mieter etwas passieren würde, weil ich weggelaufen bin.
Ich war eine Killerin, doch eines nie: Kalt und herzlos…
Ich habe zwar meine Aufträge erfüllt, doch auch nie mehr getan als das.
Immer konnte ich verhindern, dass Unschuldige meiner Waffe zum Opfer fielen.
Nicht wie die Stümper, die mich seit Jahren töten sollen.
Ich war gut in dem, was ich tat, und das hat mich immer wieder erschreckt.
Ich tötete in Perfektion…
Ich könnte es noch heute, doch ich bin in der glücklichen Position, es nur selten zu müssen.
Nur, wenn mir einer von ihnen zu nah kommt und es heißt: er oder ich.
Schon oft habe ich darüber nachgedacht zu sagen: ich…
Doch immer wieder war mein Selbsterhaltungstrieb größer.
Ich will leben!
In Frieden leben, ohne ständig rennen zu müssen, doch das geht einfach nicht, solange ich diese Informationen habe…

Meinen Verfolger habe ich fürs Erste abgehängt und mich dann im Zug sogar dazu hinreißen lassen, etwas zu schlafen.
Schlaf wird in den nächsten Wochen wieder Mangelware, das weiß ich.
So ist es immer, bis ich ein neues Versteck habe.
In einem kleinen Ort steige ich aus dem Zug und sehe mich um.
Hier kann ich mich sicher für einige Tage verstecken, denn ich muss planen, wo ich hin will.
Ich laufe langsam los und suche nach einem Hotel, während ich nachgrübel, woher ich ihn kenne.
Ich könnte versuchen, mehr über ihn herauszufinden, wenn ich wenigstens wüsste, wie er heißt oder wo ich ihn schon mal gesehen haben könnte, doch so, nur mit der Gewissheit, wie er aussieht, kann ich nicht viel anfangen.
Faszinierende grüne Augen und Auftragskiller sind zu wenige Suchkriterien.
Alles andere würde zu viel Aufmerksamkeit erregen.
Natürlich habe ich Informanten, die mir so etwas sagen könnten, aber damit würde ich zeigen, wo ich bin und genau das will ich ja verhindern.
Deshalb verkrieche ich mich erstmal in das Zimmer, dass ich mir im erstbesten Hotel genommen habe und lege mich auf das Bett.
Es ist ruhig hier und ich genieße diese Ruhe, die mich sanft wegdösen lässt.
Ich spüre, wie mein Puls immer langsamer wird und meine Atmung flach.
Könnte ich hier nur ewig so liegen bleiben.
Einfach einschlafen und nie wieder aufwachen…
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