Kapitel 5: I'm hoping when I'm gone, you realize I'm not that strong...

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Kapitel 5: I'm hoping when I'm gone, you realize I'm not that strong...

Beitrag  Eternety am Sa Jun 20, 2009 2:22 am

Kapitel 5: I’m hoping when I’m gone, you realize I’m not that strong...

I’m hoping when I’m gone
You realize I’m not that strong
That I would suffocate my will to play along


Ich bin schon wieder weggerannt und habe ihn wohl auch abgehangen, doch wie lange?
Er ist ein zäher Brocken und jetzt hängt er mir nicht nur an den Fersen, sondern auch in meinen Gedanken!
Ich kann ihn einfach nicht vergessen, denke die ganze Zeit an ihn und grüble vor allem nach, woher ich ihn kenne…
Vielleicht aus meiner Grundausbildung?
Wir könnten etwa ein Alter sein.
Oder sind wir schon mal aufeinander angesetzt gewesen?
Ich war es auf so viele und einige konnte ich nie erwischen…
Vielleicht war er einer davon?
Aber eigentlich erinnere ich mich an alle meine Aufträge!
Alle… bis auf einen.
Meinen allerersten.
Ich war damals noch nicht lange in meiner Ausbildung und eigentlich auch noch viel zu jung und unerfahren für diesen Auftrag, doch mein Mentor bestand darauf, dass ich ihn ausführen sollte.
Ich fuhr also mit einem seiner Assistenten zu diesem Hotel und danach habe ich ein Blackout.
Ich erinnere mich weder an mein Opfer, noch an das, was dort geschehen ist.
Mein Mentor sagte, dass das normal sei und mit der Zeit besser würde.
Bei meinem nächsten Auftrag war es besser…
Sein Gesicht verfolgt mich noch heute im Schlaf, genau wie das unzähliger anderer.
Und seines.
Geht das überhaupt?
Kann man sich in einen Menschen verlieben, den man nur von weitem gesehen hat?
Mit dem man noch nie gesprochen hat?
Wie kann das sein?
Er ist ein Fremder.
Ich kenne nur seine Augen und sein Lächeln.
Weiß, wie seine Stimme klingt, wenn er ganz leise spricht.
Seine Stimme geht mir nicht mehr aus dem Kopf…
„Hab ich dich.“
Mehr hat er nicht gesagt.
Verzweifelt lehne ich mich an das Rückenteil meines Bettes.
Wieder einmal bin ich in einem Hotelzimmer irgendwo im Nirgendwo.
Das Bett ist unbequem und das Essen das Letze, aber hier wird er mich so schnell nicht finden, da kann ich mir sicher sein.
Das letzte Mal habe ich ihn in Kapstadt gesehen und das war vor fast einem Monat.
Habe ich ihn vielleicht doch abgehängt?
Oder hat er aufgegeben?
Nein, ich glaube, keines von beidem…
Deshalb nehme ich mir hier auch nur ein Hotelzimmer.
Eine Wohnung… Wozu?
Ich muss eh bald wieder weglaufen.
Rennen und mich verstecken, dass ist alles, was ich in den letzten Monaten getan habe und es geht so weiter…
Langsam macht es mich mürbe, genau wie meine Gedanken an ihn.
Verdammt, er ist der, der mich töten soll!
Doch sein Messer liegt immer neben mir und ich hüte es, wie einen Schatz.
Warum?
Keine Ahnung…
Einfach so.
Es hat keinen Grund.
Vielleicht der eine Schmetterling, der durch meinen Bauch fliegt, wenn ich es in der Hand halte, so wie im Moment.
Wenn ich sanft über die Klinge streiche und ihre Schärfe spüre.
Plötzlich klopft es an der Tür und ich schrecke zusammen.
Was?
Wie… wie kann das sein?
Langsam gehe ich wieder auf die Tür zu.
Ich halte wieder meine Waffe in der Hand.
Ich habe sie mir auf dem Schwarzmarkt besorgt, da meine alte ja in seine Hände gefallen ist.
Vorsichtig greife ich nach dem Türknauf und die ganze Situation kommt mir so schrecklich bekannt vor…
Genau wie vor einem Monat.
Ich öffne die Tür und wieder wird sie mir entgegen gestoßen.
Dieses Mal falle ich nicht zurück, sondern habe es im Grunde erwartet.
Ich stehe wieder vor ihm.
Seine Augen schauen mich wieder funkelnd an, doch dieses Mal weiß ich, wird es keinen Ausweg geben.
Es kann keinen geben, denn mein Zimmer liegt dieses Mal im 11. Stock.
Wenn ich aus dem Fenster springe, ist das mein Tod…
Ich laufe wieder langsam zurück und er kommt mir nach.
Er gibt der Tür einen Stoß und sie fällt sofort ins Schloss.
Seine Augen funkeln mich an und wirken dieses Mal irgendwie… gehetzt.
Allgemein wirkt er nicht mehr so gefasst wie vor einem Monat.
Anscheinend macht nicht nur mich das alles mürbe…
Auch er hat genug davon, mir ständig nachzurennen.
Warum kann er nicht einfach aufgeben?
Mich in Ruhe lassen und sagen, ich sei tot?
Dann könnte ich endlich in Ruhe leben…
Ich sehe ihn an.
Ich weiß, dass meine Augen ihn anflehen, mich am Leben zu lassen.
Einfach zu gehen und mich in Frieden leben zu lassen!
Doch seine Augen sagen mir, dass er das nicht kann.
Er weiß, was ich will und ich sehe, dass auch ihm der Gedanke mich zu töten gar nicht gefällt.
Wir sprechen kein Wort.
Nicht ein Laut kommt über unsere Lippen.
Langsam trete ich einen Schritt nach hinten und er kommt weiter auf mich zu.
Für jeden meiner Schritte nach hinten, kommt er zwei nach vorne.
Bitte, bleib doch stehen!
Meine Waffe liegt kalt in meiner Hand.
Ich könnte sie einfach heben und auf ihn feuern, doch… ich kann es nicht.
Ich will es nicht.
Zum zweiten Mal in meinem Leben kann ich nicht abdrücken…
Aber auch er scheint keinen Anstalten zu machen, es endlich zu beenden.
Sein Messer hängt an seiner Seite und er geht immer weiter auf mich zu.
Ich kann seine Brust sehen, wie sie sich schnell hebt und senkt.
Er scheint nervös, genau wie ich.
Er kommt mir immer näher und steht fast direkt vor mir, als er sein Messer fallen lässt.
Es entgleitet einfach seiner schwachen Hand und landet klirrend auf dem Boden.
Er sieht mich an.
Seine Augen scheinen kalt, doch ich sehe dieses Funkeln in ihnen.
Unbewaffnet…
Dieser Mann steht unbewaffnet vor mir und sieht mir in die Augen.
Ich müsste nur meine Waffe heben und es beenden, doch…
Meine Hand ist zu schwach dafür.
Meine Finger lassen einfach den Griff los und sie fällt neben sein Messer zu Boden.
Die Situation ist seltsam.
Zwei Killer.
Auge in Auge.
Waffenlos und schwach.
Unsere Blicke taxieren den Anderen.
Ich sehe in ihm einen Spiegel meiner eigenen Gefühle.
Ich sehe, dass er mich genauso wenig töten kann wie ich ihn.
Mir ist nicht ganz klar warum, doch ich habe eine Vermutung.
Er ist seit Monaten hinter mir her, ich laufe seit Monaten vor ihm davon.
Haben wir uns vielleicht aneinander gewöhnt?
Wollen wir nicht, dass sich etwas ändert?
Wollen wir den Anderen nicht verlieren, in dem die letzten Monate unsere Hauptaufgabe bestand?
Und wieder drängt sich in mir eine Frage auf: Kann man jemanden lieben, den man noch nie gesprochen hat?
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