Kapitel 1

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Kapitel 1

Beitrag  Eternety am Fr Jun 19, 2009 11:01 pm

Kapitel 1

Ich hatte das Gefühl, schon immer hier gelebt zu haben.
Hier, an diesem kleinen See, mitten in der Wildnis.
Tagsüber hört man die Vögel singen, Nachts die Wölfe heulen, sonst nichts.
Das Fenster meines Zimmers zeigte schon immer nach draußen auf den See, so dass ich ihn jeden Tag sehen konnte, sobald ich aufstand.
Mein leben hier war ruhig und genau das nervte mich.
Ich war jung und wollte etwas unternehmen!
Hier würde ich versauern, das wusste ich.
Irgendwann würde ich einen Mann aus dem Dorf heiraten, Kinder bekommen und von einem Tag zum nächsten Leben.
Das wollte ich nicht.
Erst wollte ich das Leben kennen lernen und deshalb beschloss ich, etwas an meinem Leben zu ändern.
Als ich den Entschluss gefasst habe, war ich 12, als ich ihn umsetzte, war ich gerade 18 geworden.
Mit 12 war es nur der Wunsch gewesen, etwas zu erleben, mit 18 war es eine Flucht vor dem Leben, wie ich es führte.
Ich hatte die Schule beendet, einen Beruf gelernt und lebte mit meinem Vater in dem Haus am See.
Tag für Tag machte ich dasselbe.
Ich wollte meinen Vater stolz machen und rackerte mich ab, bis mein Rücken schmerzte und meine Hände bluteten.
Seit Generationen betrieb meine Familie ein Sägewerk an diesem See und so hieß es jeden Tag Bäume fällen, entasten, spalten oder zersägen, bis es dunkel war.
Das ist keine Arbeit für eine junge Frau, aber wie mein Vater zu oft sagte, war ich nunmal leider kein Mann geworden.
Ich wartete lange darauf, dass er einmal zu mir sagte: „Ich bin stolz auf dich, Tochter.“
Aber auf die Worte wartete ich vergeblich.
Wäre ich sein Sohn, hätte er bestimmt gesagt: „Ich bin stolz auf dich, mein Sohn. Du wirst das hier alles mal weiterführen.“
In meiner Gegenwart dachte er eher daran, alles zu verkaufen, weil eine Frau das nicht weiterführen konnte.
Ich machte auch keine Anstalten zu heiraten und so musste er zähneknirschend akzeptieren, dass ich die war, die ihm im Betrieb half.

Irgendwann hatte ich aber genug von allem.
Zu oft hatte er mir gesagt, dass er alles verkaufen wollte.
Zu lange hatte ich diese Angst ausgestanden, irgendwann ohne irgendwas da zu stehen.
Die Angst hatte mich regelrecht krank gemacht.
Ich war krank, wegen dieses Ortes und als mein Vater das nächste Mal sagte, er wolle alles verkaufen, sagte ich ihm, dass er das tun soll und mir meinen Teil auszahlen.
Ich würde in die Stadt gehen und dort arbeiten.
Mein Vater war wütend darüber und jagte mich fast aus dem Haus, doch bevor er das wirklich in die Tat umsetzen konnte, hatte ich schon meine sieben Sachen gepackt und war aus dem Haus gestürmt.
Innerhalb weniger Minuten war ich am Bahnhof und kaufte mir von meinem Ersparten ein Tickte, dass mich von hier weg bringen würde.
Weg vom Haus hinter dem See, in dem ich aufgewachsen war, in die große, wilde Stadt, in der ich schon zu lange leben wollte.

Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichte ich die Stadt und stieg aus.
Sofort erkannte ich, dass es hier ganz anders war, als in dem idyllischen Dörfchen, in dem ich gelebt hatte.
Lauter, hektischer und viel Lebhafter.
Ich liebte es vom ersten Augenblick an.
Zuerst suchte ich mir ein Hotel, in dem ich die ersten Nächte schlafen konnte und machte mich dann auf den Weg, um meine Umgebung etwas zu erkunden.
Da es schon relativ spät war, hatten die meisten Geschäfte schon geschlossen und ich beendete meine Tour schnell.
Ich wollte sie am nächsten Tag fortsetzten, doch als ich zurück zum Hotel lief, fiel mir eine große Menschenmenge auf.
Neugierig lief ich dorthin und entdeckte einen Club, vor dem schon viele Leute standen, um hinein zu kommen.
Ich schaute mir die Menschen an.
Sie sahen anders aus als ich.
Aufgetakelter und Künstlicher, aber gleichzeitig auch irgendwie perfekter und hübscher.
Natürlich benutzte ich auch Make-up, aber so viel?
Die Frau vor mir hatte sich ihre langen blonden Haare sogar kunstvoll nach oben gesteckt und trug dazu nur ein kurzes Kleid, dass ich als Shirt angezogen hätte, wenn überhaupt.
Mir war das aber eigentlich egal.
Ich mochte mich so, wie ich war, mochten Andere da sagen, was sie wollten.
Weil ich noch nie in einem Club gewesen war und deshalb gleich die Gelegenheit nutzen wolle, stellte ich mich ebenfalls mit in die Reihe und ignorierte das Getuschel, das sofort einsetzte.
An schlimmsten war dabei die Frau mit den blonden Haaren.
Mir war egal, was sie sagten, denn schließlich wollte ich nicht so sein wie sie, ich wollte nur das Stadtleben kennen lernen.

Es dauerte ewig, bis ich endlich am Eingang angekommen war, doch dort hielt mich ein bulliger Türsteher davon ab, in den Club zu gehen.
Er sagte, dass ich nicht hinein passen würde und bitte wieder gehen solle.
Diskussionen waren zwecklos.
Mir blieb der Zugang verwehrt.
Die Menschen, besonders die Frauen hinter mir, lachten und drängten sich an mir vorbei.
Ich schaute an mir herunter.
Ich trug ganz normale Sachen, eine schwarze Hose und ein Top, dazu Schmuck und etwas Make-up.
Wieder versuchte ich, mit dem Türsteher zu diskutieren, doch wieder schob er mich zur Seite.
Resigniert wollte ich von dannen ziehen, als mir jemand eine Hand auf die Schulter legte.
„Sie gehört zu mir.“, sagte derjenige und ohne wirklich zu verstehen, was los war, wurde ich schon in den Club geschoben.
Der Türsteher hatte mich mit einem Nicken einfach passieren lassen.
Laut dröhnte mir die Musik entgegen und ich schaute nach hinten.
Hinter mir stand ein Mann mit langen schwarzen Haaren und einem freundlichen Lächeln, doch ich sah sofort, dass dieses Lächeln seine Augen nicht erreichte.
Die musterten mich kalt und hart.
„Danke…“, murmelte ich so leise, dass man es in dem Lärm eigentlich nicht hätte hören dürfen, doch er erwiderte meinen Dank wieder nur mit einem Lächeln.
„Gern geschehen. Er hat zwar nicht unrecht, aber ich finde, ansonsten passt du gut in meinen Club. Ich bin Marc, der Besitzer. Und du heißt?“
“Iris”, meinte ich und lächelte ihn wieder an.
„Ein hübscher Name, aber eine so zerbrechliche Blume... Viel Spaß, Iris, aber sei auf der Hut.“. sagte er noch und bevor ich etwas sagen konnte, war er einfach verschwunden.

Ich tauchte also in die Menschenmasse und holte mir einen Drink an der Bar.
Danach ging ich auf die Tanzfläche und feierte meine neu errungene Freiheit ausgiebig, bis ich nicht mehr konnte.
Der Alkohol machte mir zu schaffen und die Anstrengung vom Tanzen gab mir den Rest.
Deshalb beschloss ich, in mein Hotelzimmer zurück zu gehen, doch so weit kam ich gar nicht mehr.
Ich lief gerade eine Treppe hinunter, als mich jemand auf die Schulter tippte.
„Hallo, kleine Blume.“, sagte mir eine bekannte Stimme und zwei kalte, grüne Augen musterten mich.
Ich schaute Marc an und lächelte müde.
„Du willst schon gehen?“
Ich nickte nur und deutete auf meine Uhr.
„Die Nacht beginnt doch erst!“, sagte er und nahm meine Hand.
Widerwillig ging ich mit ihm, denn schließlich hatte er mich auch mit in den Club genommen. Da wollte ich nicht unhöflich sein.
Er führte mich in einen abgetrennten Bereich im oberen Stockwerk, in dem die Musik viel leiser war.
Auch Menschen sah ich her keine, außer einer Frau an der Bar, die aber verschwand, kaum das wir den Raum betreten hatten.
„Meine Privatlounge.“, sagte er und deutete auf einen Sessel. „Setz dich. Möchtest du etwas trinken?“
“Ein Wasser…”, sagte ich heiser und ließ mich in den weichen Sessel fallen.
„Wasser? Wirklich?“, fragte er schmunzelnd und ging dann hinter die Bar. Dort nahm er verschiedene Flaschen und begann, etwas zu mischen. „Ich hab was besseres für dich als Wasser.“, antwortete er und in mir schrillten alle Alarmglocken, allerdings ganz unbegründet.
Als er wiederkam, stellte er mir ein Glas mit einem Saftgemisch auf den Tisch.
„Keine Sorge, der ist ohne Alkohol. Oder möchtest du ihn lieber mit?“, fragte er mich grinsend und ich schüttelte den Kopf.
„Danke, nein…“, antwortete ich und nahm ihm das Getränk ab.
Ich roch erst vorsichtig daran, doch außer einem starken Geruch nach Orangensaft konnte ich nichts bemerken, was mich irgendwie an Alkohol erinnerte.
Ich nahm also einen Schluck und stellte fest, dass der Cocktail lecker war, allerdings merkte ich auch, dass es spät war.
Müdigkeit machte sich in mir Breit und seit ich in diesem weichen Sessel saß, wurde es immer schlimmer.
Ich war völlig fertig und so kam es mir auch ganz gelegen, dass wir erst einmal nicht sprachen, allerdings war es mir auch unangenehm, wie er mich musterte.
Sein Blick schien immer und immer wieder über meinen gesamten Körper zu wandern und jede Erhebung und Wölbung meines Tops zu begutachten.
Ich rollte mich also noch etwas mehr in dem Sessel zusammen, um den Blick auf meinen Körper zu verdecken, doch er betrachtete mich trotzdem weiter.
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Re: Kapitel 1

Beitrag  Eternety am Fr Jun 19, 2009 11:02 pm

Als ich mein Glas leer getrunken hatte, stellte ich es auf den Tisch und wollte mich verabschieden, doch kaum war ich aufgestanden, stand er schon vor mir.
Eine seiner Hände umschlang meine Taille und zog mich an ihn.
„Du willst doch nicht wirklich schon gehen?“, fragte er mich.
„Doch… Lass mich los…“, flüsterte ich leise, doch ein Blick in seine kalten Augen zeigte mir, dass jedes Bitten sinnlos war.
Ich hatte mich in die Höhle des Löwen begeben und würde hier so schnell nicht mehr raus kommen.
„Keine Sorge, das werde ich.“, antwortete er und fuhr mit seiner kalten Hand meine Seite hinauf.
„Bitte…“, flehte ich, doch er lächelte nur.
„Nein, noch nicht.“
Er war so nah an mir…
Kalt flüsterte er mir jedes Wort ins Ohr und ich drehte den Kopf nur von ihm weg.
Ich wollte nicht, dass mich ein Fremder so berührte!
Sein Atem strich mir über den Hals und ließ mich vor Angst erzittern.
„Nein… noch lasse ich dich nicht los, kleine Blume.
So Blumen wie du sind selten.“, sagte er kalt und gegen meinen Willen jagte mir seine kalte Stimme einen Schauer über den Rücken.
Ich fühlte mich wie erstarrt und gleichzeitig… ja, ich war gleichzeitig fasziniert von ihm.
Seine Worte genügten, um mich an jeder Bewegung zu hindern und zu fesseln.
Wenn ich das gewollt hätte, ich hätte mich seinem Griff einfach entwinden können, aber… wollte ich das überhaupt?
Mein Verstand sagte ja!
Er schrie es regelrecht hinaus!
Aber mein Körper hörte nicht auf meinen Verstand.
Mein Atem raste, mein Herz ebenfalls und doch schien mein gesamter Körper ganz ruhig zu sein.
Seine Nase drückte sich weich an meinem Hals und er schien an mir zu schnuppern.
„Du riechst nach Wald und Wasser und Tot, kleine Blume…“, hauchte er mir ins Ohr und ich hätte schreien können.
„Bitte…“, hauchte ich verzweifelt, doch mehr bekam ich nicht raus.
Meine Kehle war wie zugeschnürt.
„Warum bist du hier? Wolltest du von dort weg? Eine neue Welt sehen?”, fragte er mich und strich mit seiner Hand über meinen Rücken.
Ich nickte vorsichtig und dachte wieder daran, mich seinem Griff zu entwinden, doch mein Körper gehorchte mir nicht…
„Eine Welt, in die du nicht gehörst. Eine Blume gehört auf eine Wiese. Du willst also eine neue Welt sehen? Dann werde ich dir eine neue Welt zeigen.“, sagte er und küsste meinen Hals.
Ich schloss die Augen und erwartete alles, doch was kam, dass erwartete ich nicht.
Sanft fuhren seine Lippen meinen Hals auf und ab und plötzlich spürte ich einen Schmerz, der meinen gesamten Körper durchdrang.
Ich wollte schreien, doch dazu war ich immer noch nicht in der Lage.
Seine Hand hatte sich in meinen Haaren verkrallt und zog meinen Kopf noch weiter zur Seite, so dass er an meinem Hals mehr Platz hatte.
Ich hörte ein schmatzendes Geräusch und spürte, wie der Schmerz langsam nachließ…
Aus dem Stechen wurde ein leichtes ziehen und eine schreckliche Kälte breitete sich in meinem Körper aus.
Es fühlte sich an, als würde jedes Leben aus meinen Muskeln weichen…
Meine Beine gaben nach, doch sofort fing er mich auf und legte mich auf den Sessel, der immer noch hinter mir stand.
Sein Körper war eiskalt und drückte sich an meinen.
Wie ein Bleigewicht legte er sich auf meine Brust und mit jeder Sekunde wurde Atmen schwerer.
Ich wollte Atmen, aber ich konnte nicht…
Irgendwann ließ er von mir ab.
Ich war kaum noch bei Bewusstsein und spürte nur, dass das inzwischen angenehme Gefühl an meinem Hals verschwunden war, genau wie ein Teil des Druckes auf meiner Brust, auch wenn ich immer noch nicht atmen konnte.
Mein Herz raste und meine Brust versuchte verzweifelt, sich zu heben, doch es gelang ihr nicht mehr.
„Willst du meine Welt sehen?“, hauchte er mir ins Ohr.
Ohne zu wissen, was ich da sagte und was mich erwarten würde, antwortete ich ihm leise:
„Ja…“
Ich sah nichts mehr, sondern fühlte nur noch.
Mein rationales Denken war völlig ausgeschaltet und alles, was ich hörte, war seine Stimme, die mir die Frage stellte.
Alles, was ich spüre, war er, so nah an mir und in diesem Augenblick hätte ich zu fast allem ja gesagt.
Irgendetwas wurde mir gegen die Lippen gedrückt, doch ich war nicht mehr in der Lage, sie zu öffnen.
Mein Körper gehorchte mir nicht mehr.
Eine Hand hob leicht mein Kinn und eine Flüssigkeit tropfte mir auf die leicht geöffneten Lippen.
Ich leckte darüber und schmeckte sofort, was es war: Blut.
Kaltes, widerliches Blut.
Ich wollte es ausspucken, doch schon tropfte mehr davon in meinen Mund, so das ich keine Gelegenheit dazu hatte.
„Trink, kleine Blume.“, hauchte er und ich tat, was er mir sagte.
Mit jedem Tropfen spürte ich, wie sich der Geschmack veränderte und immer süßer wurde.
Der metalerne Geschmack ließ nach und stattdessen nahm es einen an, den ich einfach nicht beschreiben kann.
Das ist, als wolle man einem Blinden sagen, wie rot aussieht. Es geht einfach nicht.
Ich begann, jeden Tropfen gierig hinunter zu schlucken und als mir jemand weiche Haut auf die Lippen drückte, konnte ich nicht mehr widerstehen und begann, an der Wunde zu saugen.
Der süße Geschmack war einfach unwiderstehlich und mit jedem Schluck kamen meine Kräfte mehr und mehr zurück.
Der Druck verschwand von meiner Brust und mein Herz beruhigte sich immer und immer mehr, bis ich es gar nicht mehr wahrnahm.
„Das reicht, kleine Blume.“, sagte eine erschöpfte Stimme, die ich sofort als Marcs wiedererkannte. „Du willst mich doch nicht ganz aussaugen. Das würde weder dir, noch mir gut tun. Ich hab etwas besseres für dich.“
Ich öffnete schwerfällig die Augen, doch ich konnte nichts erkennen.
Alles schien wie unter einem roten Schleier.
Deshalb schloss ich die Augen wieder und lehnte mich zurück.
„Hier, versuch das hier. Sie ist ganz frisch. Danach wird es dir besser gehen.“, hauchte er mir ins Ohr und ich spürte wieder Haut an meinen Lippen, dieses Mal aber Warme.
Ich konnte nicht anders, ich musste kurz an der Haut schnuppern.
Es war, als würde ich plötzlich Dinge wahrnehmen, die ein Mensch sonst nicht wahrnimmt…
Ich konnte ihr Parfum riechen, dass schon seit Stunden verflogen sein musste und das Haarspray, dass sie benutzte.
Auch ihr Shampoo war parfümiert und unter all dem drang mir ihr eigener Geruch in die Nase.
Auch in meinen Ohren dröhnte es.
Mir war es, als könnte ich Blut durch Adern rauschen hören.
In mir breitete sich ein unwiderstehlicher Drang aus.
Ohne nachzudenken, biss ich einfach zu.
Wie vorher schon, saugte ich alles aus, was ich bekommen konnte. Jeden einzelnen Tropfen, leckte und saugte ich gierig von ihrer Haut.
Ich spürte, wie sich das Blut in meinem Körper ausbreitete und mir Kraft gab.
Als die Quelle erschöpft war, öffnete ich endlich die Augen und schaute auf die hübsche, blonde Frau, mit den kunstvoll hochgesteckten Haaren, die ein kurzes schwarzes Kleid trug, dass ich nur als Shirt getragen hätte, wenn überhaupt.
Ich ließ sie los und ihr Körper fiel achtlos zu Boden.
„Hat es dir geschmeckt?“, fragte mich Marc und setzte sich neben mich.
Ich nickte.
„Das ist gut. Hast du noch hunger?“
Sofort nickte ich und schaute ihn an.
„Der Hunger eines neu Erschaffenen. Wie immer unersättlich.“, sagte er lachend. „Heute Nacht habe ich noch jemand für dich gefunden, aber dann wirst du lernen müssen, selber Menschen zu finden.
Kleine Blume, Willkommen in meiner Welt.“, hauchte er, strich mir eine Strähne aus dem Gesicht und stahl mir dann einen Kuss von den Lippen.
„Was ist gerade passiert?“, wollte ich leise wissen und schaute ihn an.
„Das werde ich dir später erklären. Du solltest dich jetzt erst einmal schlafen legen. Bald geht die Sonne auf und du musst erst Kräfte sammeln. Aber einen guten Rat möchte ich dir noch geben. Meide die Sonne!“
„Warum?“, fragte ich und schaute ihn weiter an.
Ich fühlte mich irgendwie komisch und unsicher…
Seltsamerweise war er das einzige, dass mir in diesem Augenblick den Halt gab, den ich brauchte.
Er… ein völlig Fremder…
Und doch hatte ich das untrügliche Gefühl, dass er mir nicht mehr Fremd war, wie noch vor wenigen Minuten.
Dieses Gefühl ist unbeschreiblich und es wird mir auch nie gelingen, es in Worte zu fassen.
Er grinste.
„Weil sie dir nicht gut tut. Sie wird dich nicht umbringen, wie das viele Menschen glauben, aber gut tun wird sie dir auch nicht. Sie wird deine Haut verbrennen und dich schwach machen. Du bist noch zu jung, um durch die Sonne laufen zu können.“
Ich nickte und wollte aufstehen, als er mich zurückhielt.
„Komm morgen Nacht wieder, dann erklär ich dir alles, was du wissen musst.“, sagte er.
„Marc? Eine Frage…“, flüsterte ich.
„Eine, aber nicht mehr.“, antwortete er und reichte mir die Hand, um mir aufzuhelfen.
„Was ist da gerade passiert? Was bin ich?“, stellte ich meine Frage und ergriff seine Hand.
Er lächelte und half mir nach oben.
Als ich vor ihm stand, strich er mir eine Strähne aus den Augen und hauchte mir einen Kuss auf die Lippen.
„Das waren jetzt aber Zwei. Benutze deine Phantasie.“, antwortete er mir, bevor er mich zum Ausgang brachte.
Ich wollte mich verabschieden, doch als ich zurückblickte, war er einfach verschwunden.
Wie in Trance lief ich zu meinem Hotel und legte mich in mein Bett.
Ich ahnte etwas, doch es laut auszusprechen, das traute ich mich nicht.
Es war zu absurd, zu unglaubwürdig und doch war es die einzige Erklärung…
Ich schaute in den Spiegel der im Zimmer stand.
Meine Haut wirkte Blass und irgendwie schienen meine Eckzähne durch meine Lippen zu brechen.
Ich schüttelte nur den Kopf und kuschelte mich unter meine Decke, doch schnell wurde mir klar, dass sie nicht warm werden würde.
Mein gesamter Körper war kalt.
Ich fror nicht etwa, aber die Wärme, die ich unter meiner Decke sonst so liebte, blieb einfach aus.
Wieder schaute ich in den Spiegel und die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag…
Meine Vermutung war richtig.
Ich war ein Vampir.
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