Kapitel 8

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Kapitel 8

Beitrag  Eternety am Sa Jun 20, 2009 12:20 am

Kapitel 8

Nach unserer Jagd waren wir mehrere Tage mit Tieren zufrieden und so beschloss ich, dass es Zeit war, meinem alten zu Hause einen Besuch abzustatten.
Seit ich hier war, lebte ich in den Kleidern, die Vishous mir geschenkt hatte, doch wenn ich ehrlich war, vermisste ich meine Sachen.
Deshalb wollte ich nach Hause und einige Dinge holen.
„Du solltest dich nicht an Erinnerungen klammern, Kücken.“, hatte Roselia nur zu meinem Plan gemeint und mich ausgelacht.
Ich sparte mir die Mühe, sie aufzuklären.
Ich vermisste meine Sachen und vielleicht auch etwas das Leben als Mensch und so wollte ich mir etwas Mensch mit in das Reich der Vampire nehmen.
Am frühen Abend fuhr ich mit dem Zug los.
Lehti hatte mich eigentlich begleiten wollen, aber Vishous wollte nicht, dass sie mit ging.
Stattdessen begleitete mich Rham, der für meinen Schutz sorgen sollte.
„Helia, Vishous weiß, was er tut und solange diese Jäger da draußen sind, ist es besser, wenn kein Vampir alleine ist.“, meinte Rham zu mir, als er seinen Rucksack schulterte.
„Er hat ja Recht, aber warum konnte Lehti nicht mit? Nicht das ich etwas gegen dich hätte, Rham.“, sagte ich schnell und lief aus der Tür.
Rham lachte und folgte mir.
„Das weiß ich doch.
Lehti ist schwach und das weißt du. Im Moment ist es zu gefährlich für sie.“, sagte er und ich musste zugeben, dass er Recht hatte.
„Sie ist so viel Älter als ich und doch so viel schwächer…“, meinte ich zu ihm und er nickte.
„Ja. Alter hat nichts mit stärke zu tun, Helia. Außerdem, schau sie dir an.
Als sie verwandelt wurde, war sie Jünger als du, fast noch ein Kind. Woher soll ihre Kraft denn kommen?“, fragte er mich und ich wusste, dass er Recht hatte.
Sie war vielleicht 16 gewesen, als man sie verwandelt hatte und in diesem Alter würde sie auf ewig bleiben.
Geistig war sie viel reifer, denn hunderte von Jahren gehen nicht spurlos an einem vorbei, doch ihr Körper war immer noch der, in dem sie gestorben war.

Wir fuhren, ganz Vampiruntypisch, mit dem Zug in das alte Dorf, in dem ich aufgewachsen war.
Seit ich dort weggegangen war, waren unglaubliche zwei Jahre vergangen, die ich kaum bemerkt hatte.
Es war, als liefe die Zeit anders ab, wenn man als Vampir lebte und mir hatte Flora auch mal gesagt, dass das tatsächlcih so war. Zeit wurde relativ, wenn man unendlich viel davon hatte und so lebten wir oft nur in die Nacht hinein, ohne etwas zu tun.
Als wir dort ankamen, staunte ich nicht schlecht.
Es war noch früh am Abend und trotzdem war fast alles dunkel. Die Menschen hier waren müde von einem langen Tag, im Gegensatz zu den Nachtschwärmern in der Stadt.
Nur wenigen begegneten mir und nur ein einziger wagte es, uns anzusprechen.
„Iris?“, fragte er mich und kam auf mich zu.
Ich hatte seinen Namen vergessen, doch ich erinnerte mich daran, dass wir gemeinsam in einer Klasse gewesen waren.
„Ja.“, antwortete ich deshalb nur und schaute ihn an.
Der Blick eines Vampirs ist anders, als der eines Menschen.
Er jagd Angst ein, wenn man ihn nicht kennt, doch den jungen Mann vor mir schien er eher zu faszinieren.
„Mensch, das gibt es ja nicht. Wie geht es dir denn? Wo warst du? Dein Vater ist fast gestorben vor Sorge! Du warst einfach weg, ohne einen Ton zu sagen.“, meinte er zu mir, doch bevor ich etwas antworten konnte, sagte Rham schon:
„Helia, wir müssen weiter.“ und deutete auf die Uhr.
Ich nickte nur und verabschiedete mich von meinem alten Bekannten, ohne eine seiner Fragen zu beantworten.
Sein Geruch stieg mir dabei in die Nase und ich war versucht, mir einen Schluck zu gönnen, doch andererseits wusste ich auch, dass es hier gefährlich sein würde, ihn zu beißen.
Nur, weil wir von der Stadt weg waren, hieß das nicht, dass die Jäger nicht kommen könnten oder so vielleicht noch mehr auf unsere Spur gelockt wurden.

Schnell hatten wir das Haus meines Vaters erreicht und gingen zur Tür.
Dort erlaubte ich mir, kurz meinen Blick über den See schweifen zu lassen, bevor ich klopfte, doch ich bekam keine Antwort.
Deshalb öffnete ich die Tür einfach, betrat den Flur und bekam einen Schreck.
Ich hatte einen Saustall betreten und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Früher hatte ich das Haus sauber gehalten, doch jetzt sah das Haus aus, als hätte keiner mehr etwas getan, seit ich gegangen war.
Überall lag Staub und Dreck.
Dazwischen leere Flaschen, die von der neuen Leidenschaft meines Vaters zu zeugen schienen.
Schon nach dem Tod meiner Mutter hatte er viel getrunken, doch nun schien er sich komplett gehen zu lassen.
Dieses Haus machte mich krank und so beschloss ich nur in mein Zimmer zu gehen, einige Dinge zu holen und meinem Vater einen Zettel zu hinterlassen.
So leise wir konnten, schlichen wir nach oben.
Ich nahm meine wenigen Habseligkeiten und packte sie in eine Tasche, als ich Schritte auf der Treppe hörte.
„Wer ist da??“, lallte jemand laut. „Ich habe ein Gewehr!“
Ich knurrte leise, doch bevor noch etwas passieren konnte, beschloss ich, dass es besser war zu Antworten.
„Ich bin es, Vater.“, sagte ich laut und packte die letzten CDs ein. Rham nahm mir sofort die Tasche aus der Hand und stellte sich schützend hinter mich, was aber eigentlich nicht nötig gewesen wäre.
„Iris?“, fragte er und kam torckelnd in mein Zimmer.
Ich antwortete nicht, sondern schaute ihn nur an.
Er hatte sich zu einem… ich kann es nicht beschreiben.
Seine Kleidung war dreckig und abgetragen, seine Augen glasig und seine Haare hingen strähnig von seinem Kopf.
Der Gestank, der von ihm zu meiner empfindlichen Vampirnase drang, ließ Übelkeit in mir aufsteigen.
Es machte mich krank, ihn so zu sehen, genau wie mich dieser Ort krank machte.
„Ich gehe wieder.“, flüsterte ich leise. „In der Stadt bin ich glücklich und du musst dich nicht für deine Tochter schämen… und sie sich nicht für dich.“
Mit diesen Worten drehte ich ihm den Rücken zu und gemeinsam mit Rham verließ ich das kleine Haus am See, in dem ich geboren worden war.
Hinter mir hörte ich ihn meinen Namen rufen.
„IRIS! IRIS! BLEIB HIER!!!“
Doch die Worte verhallten unbeantwortet im dichten Wald.
Hier hielt mich nichts mehr, denn seine Tochter war ich nicht mehr, seit ich dieses Haus das erste Mal verlassen hatte…
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